„Gutes tun, tut einem selber gut“

In Gmunden engagieren sich Jugendliche in Kindergärten, im Sozialmarkt oder im Altersheim. Was nach Ferienprogramm klingt, ist auch eine Erfahrung von Begegnung, Verantwortung und Selbstvertrauen.

Theresa Steffner

Elina Janecek (14) und Sophia Ortner (16) aus Gmunden engagieren sich freiwillig.
Foto: Theresa Steffner

Sophia Ortner ist 16 Jahre alt und wollte in ihren Sommerferien nicht einfach nur herumhocken. Also meldete sie sich bei einem Sozialprojekt der Stadt Gmunden an. Sie half im Kindergarten, im Altersheim, im Sozialmarkt und bei Schlosskonzerten. Überall traf sie Menschen, mit denen sie sonst wahrscheinlich nicht ins Gespräch gekommen wäre. Manche Kontakte sind geblieben.

Vielleicht beginnt soziales Engagement genau so: nicht mit einem großen Plan, sondern mit ein paar freien Tagen und der Frage, was man damit Sinnvolles anfangen könnte.

Ein paar Stunden mithelfen

Das Gmundner Projekt heißt „GO ON – Dein Einsatz punktet“. Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren melden sich freiwillig dafür an und helfen ein paar Stunden oder Tage in sozialen oder gemeinnützigen Einrichtungen. Mit dabei sind etwa Kindergärten, Seniorenheim, Bücherei, Wasserrettung und Kloster. Die Anmeldung startet heuer am 22. Juni.

Für ihre Einsätze sammeln die Jugendlichen Punkte, die sie gegen Gutscheine von Gmundner Betrieben eintauschen können. Zudem erhalten sie ein Sozialzertifikat, das später für Bewerbungen nützlich sein kann. Initiiert wurde das Projekt 2022 von der Gmundner Ärztin Michaela Schmidt. Heute organisiert Stadträtin Linda Windbichler (NEOS) es gemeinsam mit ihr und dem Team der Gesunden Gemeinde weiter.

Unter jungen Menschen ist freiwilliges Engagement kein Randthema: Laut Freiwilligenbericht 2026 engagiert sich mehr als die Hälfte der 15- bis 29-Jährigen in Österreich freiwillig. Das sind rund 740.000 junge Menschen. 

Nicht einfach herumhocken

Sophia Ortner war bereits zum zweiten Mal dabei und in vielen verschiedenen Einrichtungen unterwegs. „Jede Erfahrung war anders und hat mir weitergeholfen für mein jetziges oder späteres Leben“, sagt die 16-Jährige.

Besonders fällt ihr auf, dass sie einen besseren Umgang mit Menschen gelernt hat. Sie sei offener geworden, könne besser auf andere zugehen. Außerdem konnte sie neue Tätigkeiten kennenlernen: „Die machen das alle freiwillig, das ist schon beeindruckend.“ 

„Ich habe mich voll geöffnet“

Elina Janecek ist 14 Jahre alt, und auch sie hat beim Sozialprojekt mitgemacht. Im Gmundner Jugendzentrum „Checkpoint“ bastelte, spielte und malte sie mit Kindern. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Nachmittag, an dem sie gemeinsam Steine bemalten. „Das war richtig lustig“, sagt sie.

Dadurch hat sie gemerkt, wie gerne sie mit Kindern arbeitet und wie unterschiedlich man mit ihnen umgehen kann. „Ich habe mich voll geöffnet“, erklärt sie. Heuer würde Elina gerne im Kindergarten mithelfen.

Bei „GO ON“ geht es also nicht nur um Beschäftigung oder Zeitvertreib für Jugendliche in den Ferien. „Es ist schon so, dass eine ehrenamtliche Tätigkeit einen sehr stark beeinflusst, weil man viele Dinge sieht, die man in seinem Alltagsleben nicht so mitbekommt“, sagt Linda Windbichler. Dazu gehöre auch Dankbarkeit gegenüber jenen, die täglich in sozialen Berufen oder freiwillig arbeiten.

Was die Gemeinde davon hat

Die teilnehmenden Organisationen schätzten die Unterstützung sehr. „Ebenso sind die Jugendlichen happy, dass sie mitgemacht haben“, betont die Gmundner Stadträtin.

Was Gutes zu tun, tut auch immer einem selber gut.
— Linda Windbichler, Stadträtin

Auch die Gemeinde verändert sich ein Stück, wenn junge Menschen in Einrichtungen auftauchen, in denen sie sonst kaum wären. Sie sehen, wer im Sozialmarkt arbeitet, was im Seniorenheim passiert und wie viel Ehrenamt bei Wasserrettung oder Feuerwehr geleistet wird. Umgekehrt erleben Einrichtungen Jugendliche als Menschen, die mithelfen wollen, eigene Ideen einbringen und Verantwortung übernehmen. „Es wäre es wert, dass sich jede Gemeinde überlegt, so ein Programm anzubieten“, betont Windbichler.

Mehr als ein Zeitvertreib

Dass solche Erfahrungen mehr sein können als ein nettes Ferienprogramm, stützt auch die Jugendgesundheitsforschung. Laut einem 2025 veröffentlichten Bericht der Gesundheit Österreich GmbH kann Beteiligung junger Menschen Selbstwertgefühl, soziale Verbundenheit und psychosoziale Gesundheit stärken.

Eine Studie in JAMA Network Open aus 2023 analysierte Daten von knapp 52.000 Kindern und Jugendlichen in den USA. Jene, die sich freiwillig engagierten, berichteten häufiger von sehr guter Gesundheit und „Flourishing“, also psychischem und sozialem Aufblühen. Zudem war Freiwilligenarbeit bei Jugendlichen mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für Angst verbunden. Die Studie beweist keine Ursache-Wirkung. Aber sie passt zu dem, was Sophia und Elina aus Gmunden erzählen: dass ein paar Stunden Mithilfe mehr sein können als nur ein gefüllter Ferientag.

Elina will heuer einen Einsatz im Kindergarten ausprobieren. Sophia sagt, sie gehe heute leichter auf andere Menschen zu. Mehr muss ein solches Projekt vielleicht gar nicht versprechen.


 

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